Nachhaltige Werbeartikel

Nachhaltigkeit Verstand und Augenmaß

Grün liegt im Trend. Deshalb wollen immer mehr Werbetreibende nachhaltige Werbemittel kaufen. Frank Dangmann, Vorstandsvorsitzender des GWW e.V. ermutigt die Mitglieder des ihren Markenkern an aussagekräftigen CSR- und Nachhaltigkeitsprofilen auszurichten.

mypromo.com: Viele Menschen wollen derzeit bewusst konsumieren. Sie stehen Werbeartikeln deshalb manchmal ambivalent gegenüber. Können Werbemittel denn überhaupt nachhaltig sein?   

Frank Dangmann: Werbeartikel sind in ihrer Wirkung per se nachhaltig. Denn es gibt wohl kaum eine andere Werbeform, die ihre Botschaften so langanhaltend und zielgruppengerecht vermittelt. Das haben Studien renommierter Hochschulen und Marktforschungsinstitute jüngerer Zeit wiederholt belegen können. Denn zwei Drittel der Werbeartikel bleiben länger als ein Jahr im Besitz des Empfängers. Bei rund 40 Prozent sind es über zwei Jahre. Werbeartikel überzeugen mit einer langen Impressionsdauer und werden häufig genutzt.

Natürlich beanspruchen Werbeartikel gewisse Ressourcen. Aber das gilt auch für Print-, TV- und Rundfunkwerbung. Übrigens auch für das Online-Marketing. Im Raum Frankfurt waren beispielsweise Rechenzentren schon 2016 für 20% des Stromverbrauches verantwortlich.

Wie definiert man nachhaltig?

mypromo.com: Werbeartikel wirken also nachhaltig. Warum?

Frank Dangmann: Der für Marketing-Verantwortliche wichtigen Erinnerungswert (Recall) beträgt bei Werbeartikeln beeindruckende 70%. Das bedeutet, dass sich 70 Prozent aller Umworbenen an die Marke oder das werbende Unternehmen erinnern. Bei klassischen Above-the-Line Medien stürzt die Erinnerungsquote auf unter 30 Prozent ab. Marken und Unternehmen müssen also weit weniger als bei anderen Werbekanälen ausgeben, wenn sie Werbeartikel nutzen. Sie können beim Publikum trotzdem dasselbe Bewusstsein für ihre Botschaften wecken. Das ist sehr effizient und schont Ressourcen. Es ist dabei natürlich wichtig, dass man einen Werbeartikel wählt, der auch zur Zielgruppe passt.

Die qualifizierten Werbeartikelberater und -händler unseres Verbandes sind überall in der Nähe ihrer Kunden. Sie können Unternehmen, die haptische Werbung in ihre Kommunikationsmaßnahmen implementieren, dabei behilflich sein, passende und wirksame Werbemittel zu finden und diese in hoher Qualität – mit nachhaltiger Werbewirkung – umzusetzen.

Frank Dangmann GWW e.V.
Frank Dangmann ist Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbandes der Werbeartikelwirtschaft e.V.

Von nachhaltigen Werbeartikel und nachhaltigem Konsum

mypromo.com: Wie nimmt die Werbeartikel-Branche den Trend zum Nachhaltigen Konsum in ihrem Angebot auf?

Frank Dangmann: Nachhaltigkeit im Sinne verantwortungsvollen und fairem Handelns gegenüber Mensch und Umwelt ist ein in der Wirtschaft fest verankertes Handlungsprinzip. Als Verband ermuntern wir unsere Mitglieder, beispielsweise CSR-Reports zusammenzustellen. Wir bieten zu Fragen der Nachhaltigkeit auch Hilfestellung.

Das Thema Nachhaltigkeit hat neben dem wirtschaftlichen auch ein großes gesellschaftspolitisches Potential, und es ist sehr komplex. Das fängt beim Einkauf und der Beschaffung an und geht über die Produktion bis hin zum Marketing und Vertrieb.

Die Werbeartikel-Branche geht damit sehr bewusst und proaktiv um. Schon seit 2015 werden die PSI Sustainability Awards in acht Kategorien verliehen. Sie berücksichtigen drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. In den vier Jahren, die es den Preis nun gibt, wurden eine Vielzahl von Unternehmen aus dem Verband ausgezeichnet.

Manche davon auch regelmäßig und mit mehreren Produkten, sie sind wahre Leuchttürme der Nachhaltigkeit. Die PSI Sustainability Awards haben die Leistungsdichte und -breite der Werbeartikelwirtschaft transparent, messbar und vergleichbar gemacht – und auch, wie engagiert unsere Mitglieder beim Thema Nachhaltigkeit sind.

Nachhaltige Werbeartikel – und ihre Käufer

mypromo.com: Wie stehen eigentlich Werbetreibende zum Trendthema „nachhaltige Werbeartikel“?

Frank Dangmann: Die Akzeptanz nachhaltiger Werbeartikel am Markt steigt. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, den angemessenen Preis durchzusetzen. Man kann da durchaus eine gewisse Alltags-Schizophrenie erkennen.

Die Gefahr bei der seit langem geführten Nachhaltigkeitsdebatte besteht ohnehin darin, dass aus einer gewissen Unkenntnis heraus, aber mit großen Emotionen argumentiert wird. Ich denke da an den in die Kritik geratenen Rohstoff „Kunststoff“. Heute gibt es den Trend sämtliche Kunststoffprodukte zu meiden, ohne dass man objektiv überprüfen will, ob deren Öko-Bilanz tatsächlich so verheerend ist wie gerne behauptet. Oder ob sie – ganz im Gegenteil – im Vergleich zu ähnlichen Konsumgütern aus anderen Rohstoffen nicht doch wesentlich überzeugender ausfällt.

Tatsache ist: Kunststoff ist ein organischer Werkstoff, wie Papier und Wolle. Und zusätzlich verfügt er über eine Menge Eigenschaften, die ihn umweltfreundlich und sparsam machen. So wiegt Kunststoff nicht schwer, das bedeutet weniger Transportkosten und damit geringere Abgasbelastung. Weil Kunststoff so robust ist, sind Produkte daraus – wenn das Basismaterial verantwortungsvoll eingesetzt wird – extrem langlebig. Nicht zuletzt: Auch wenn vor allem in den Medien etwas anderes suggeriert wird, so kann Kunststoff dennoch problemlos recycelt werden. Man kann also neue Produkte daraus herstellen.

Greenwashing ist ein Problem

mypromo.com: Bei nachhaltige Werbeartikeln stellt sich die Frage, woran man sie zuverlässig erkennen kann. Das Thema „Greenwashing“ ist heute in aller Munde.

Frank Dangmann: Es gibt in der Tat eine Vielzahl von Zertifikaten für „grüne“ oder „nachhaltige“ Produkte. Nicht alle sind seriös, und viele bilden auch nur einzelne Aspekte von Nachhaltigkeit ab. Also beispielsweise fairen Handel, geringen Energieverbrauch oder eine gute Recycling-Fähigkeit.

Checkliste nachhaltige Werbemittel

  • Ist der Werbemittel für die Zielgruppe nützlich?
  • Kann ich mit dem Produkt meine Kommunikationsziele erreichen?
  • Ist die Qualität des Produktes angemessen?
  • Wo / wie wurde das Produkt hergestellt?
  • Kann man den Werbeartikel recyceln?
  • Kann man das Produkt nachfüllen oder reparieren?