Steuern & Werbeartikel: Streuwerbung besteuern

Werbeartikel – so werden Streuartikel & Co. besteuert

Viele kleinere Unternehmen verzichten heute auf die hochwirksame Werbemittel. Oft geschieht dies aus Angst vor Steuern auf Werbeartikel. Doch was gilt wirklich? Unsere FAQ “Steuer und Werbeartikel” bringt Licht ins Dunkel*.

„Streuartikel sind steuerlich sind nicht mehr absetzbar.“ Oder auch: „Auf Werbeartikel muss man Steuern zahlen.“ Das sind hartnäckige Fehlinformationen, die sich vor allem unter Kleinstunternehmen halten. Ihnen entgeht so allerdings ein hochwirksamer Werbekanal. Das hat gerade der Intermediavergleich wieder festgestellt. Doch woran kann man sich bei der Vergabe von Werbeartikeln einfach und unkompliziert halten? Die mypromo.com-Redaktion hat deshalb für Sie eine FAQ mit den wichtigsten Fragen zusammengestellt.

FAQ Steuern und Werbeartikel (Stand: 1/2021)

Muss man auf Werbeartikel tatsächlich Steuern bezahlen?

Das kommt darauf an. Werbeartikel von geringem Wert pro Stück kann der Unternehmer recht unkompliziert steuerlich geltend machen.  Umgekehrt muss auch der Empfänger Streuartikel nicht in seiner Steuererklärung angeben.

Welche Steuer-Freigrenzen gibt es bei Werbeartikeln?

Bis zu einem Wert von zehn Euro pro Werbeartikel wird weder beim Geber noch beim Adressaten eine Steuer fällig. Denn alle Werbeartikel unter einen Warenwert von 10 Euro gelten als Streuartikel. Diese sieht der Gesetzgeber nicht als „geldwerten Vorteil“.

Streuwerbeartikel bis zu einem Wert von zehn Euro pro Stück können vom Unternehmer, der sie als Werbung nutzt, als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Dazu muss man den einzelnen Empfänger nicht aufzeichnen. Ob der Betrag netto oder brutto zu betrachten ist, hängt davon ab, ob der Geber zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Für Firmen, die Werbeartikel abgeben, gilt daher in der Regel ein Netto-Warenwert von zehn Euro bei Streuwerbung. Pro Jahr können mehrmals Streuwerbeartikel an denselben Empfänger vergeben werden.

Wann muss man bei Werbeartikeln versteuern?

Steuerliche Pflichten als Empfänger eines hochwertigen Werbeartikels:

Ab einem Warenwert eines Werbeartikels von zehn Euro müssen Anlass und Empfänger vom Geber aufgezeichnet werden. Denn solche Werbeartikel gelten vor der Steuer-Behörde als „Sachzuwendungen“. Auf den Werbeartikel muss ein Empfänger, der nicht Mitarbeiter des Unternehmens ist, Steuern bezahlen. Das kommt bei den bedachten Kunden meist nicht so gut an.

Deshalb gibt es die Möglichkeit, dass  der Geber pauschal mit 30% des Warenwertes bei inländischen Empfängern selbst übernimmt. Hinzu kommen noch Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Der Geber muss dann den Adressaten auf die bereits entrichtete Pauschalsteuer hinweisen. So will man vermeiden, dass der Staat die Zuwendung doppelt besteuert.

Steuerliche Pflichten als Geber eines hochwertigen Werbeartikels:

Alle Werbeartikel, die teurer als 10 Euro sind, gelten steuerlich nicht mehr als Streuartikel. Der Empfänger muss also aufgezeichnet werden, damit die “Sachzuwendung” besteuert werden kann.

Pro Person und Jahr sind Werbeartikel bis zu einem Warenwert von 35 Euro als Betriebsausgabe absetzbar. Ob die Summe netto oder brutto zu betrachten ist, hängt wiederum davon ab, ob der Geber eine Firma oder eine Privatperson ist. Die Obergrenze von 35 Euro pro Person und Jahr ist scharf gezogen. Das bedeutet, dass bei einem Überschreiten die gesamte Zuwendung nicht als betriebliche Ausgabe gewertet werden kann.

Auch bei höherwertigen Werbeartikeln kann der Geber die Pauschalsteuer übernehmen. Das ist aber nur zulässig, wenn es für alle Werbeartikel des Unternehmens gilt.

In Deutschland darf man aber prinzipiell Geschenke in beliebiger Höhe machen. Für nicht Verwandte gilt eine steuerliche Freigrenze von 20.000 Euro. Allerdings gehen viele Experten davon aus, dass man Werbeartikel nicht als Geschenk betrachten kann.

Welche Werbeartikel darf man an Mitarbeiter vergeben, damit man unter der steuerlichen Freigrenze bleibt?

Sachzuwendungen an Mitarbeiter, etwa Fahrkarten, Tankfüllungen oder Essen-Coupons, sind bis 44 Euro pro Monat steuer- und sozialversicherungsfrei. Die Sachzuwendung darf sich aber nicht in Geld umwandeln lassen. Das bedeutet, dass etwa Kreditkarten nicht zulässig sind.

Muss man Steuern auf Werbeartikeln zum Jubiläum zahlen?

Pro Jahr und Person erlaubt der Gesetzgeber zu einem besonderen, persönlichen Anlass ein Werbegeschenk mit einem Brutto-Wert von 60 Euro. Finanzgerichte haben Firmenjubiläen und allgemeine Feiertage wie Weihnachten allerdings nicht als “persönlichen Anlass” gewertet. Relativ unstrittig ist als, dass ein Unternehmer Aufmerksamkeiten bis zu einem Brutto-Wert von 60 Euro an Mitarbeiter vergeben darf. Mache Finanzämter erkennen dies aber auch für Geschäftspartner an.

Was ist hat Compliance mit einer steuerlichen Freigrenze für Streuartikel zu tun?

Compliance und Steuern sind zwei verschiedene Konzepte. Compliance wird manchmal auch als “Corporate Governance” bezeichnet und sind Regeln, die sich Firmen selbst geben. Sie müssen dabei innerhalb des gesetzlichen Rahmens bleiben. Der Gesetzgeber legt auch die steuerlichen Freigrenzen für Streuartikel & Co. fest.

Zur Annahme und auch zur Abgabe von Werbeartikeln haben außerdem viele Firmen so genannte Compliance-Richtlinien festgelegt. Sie regeln, wer im Unternehmen Streuwerbung und höherwertige Aufmerksamkeiten annehmen darf. Dazu werden meist Bedingungen und Prozesse definiert.

Das bedeutet, dass ein Mitarbeiter, der ein Giveaway erhält, dies unter Umständen an eine Compliance-Stelle melden muss.

*Bitte beachten: Zu Steuern und Werbeartikel im Zweifel den Steuerberater befragen

Auf Grund der Komplexität des Steuerrechtes und der laufenden Aktualisierung kann dieser Artikel nur grob den Stand zum Thema „Steuer bei Werbeartikeln“ von Januar 2021 abdecken. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung. Bei größeren Kommunikations-Kampagnen mit höherwertigen Werbeartikeln empfiehlt sich deshalb vorab immer eine Rücksprache mit Finanzamt und / oder Steuerberater.