Freiheit für Werbeartikel

Steuer-Gesetzgebung killt Werbeartikel

Die wachsende Steuer-Bürokratie bringt die Werbeartikel-Branche in Gefahr. Das Bürokratieentlastungsgesetz BEG III sollte Abhilfe schaffen. Doch die entsprechenden Stellen entfielen in der Kabinettsvorlage kurzfristig. Nun sind Anbieter wie Nutzer von Werbeartikeln aufgerufen, ihre Stimme zu erheben.

Worum geht es?

Werbeartikel sind äußerst wirksam. Denn sie schaffen nachhaltig Sympathie und machen Marken und Unternehmen erlebbar. Jedoch dürfen nur Artikel bis zu einem Wert von zehn Euro abgegeben werden, ohne dass man den Empfänger aufzeichnen muss. Ob dieser Wert netto oder brutto gerechnet wird, hängt davon ab, ob er an eine Privatperson oder ein Unternehmen im In- oder Ausland geht.

Insgesamt dürfen nur Werbeartikel bis 35 Euro (netto) pro Jahr an Betriebsfremde abgegeben werden. Diese müssen bei Lohnsteuer und Sozialversicherungssteuer des Empfängers berücksichtigt werden. Persönliche Geschenke für Mitarbeiter dürfen zu besonderen Anlässen 60 Euro nicht überschreiten, Sachzuwendungen bis 44 Euro/ Monat sind hingegen steuerfrei möglich. (Hier findet man mehr zum Thema Steuern und Werbeartikel bei mypromo.com.)

Wozu führt das?

Bei großen und mittelgroßen Unternehmen hat die komplexe Steuergesetzgebung zu einer enormen Bürokratieflut geführt. Bis zu einem halben Dutzend Mitarbeiter sind damit befasst, die Bestellung und Verteilung von Werbeartikeln zu verwalten und so zu dokumentieren, dass es bei Betriebsprüfungen zu keinen Beanstandungen kommt.

Kleinere Unternehmen verzichten oftmals auf Werbeartikel und Geschenke oder verteilen nur noch Streuartikel unter zehn Euro Warenwert. Einige riskieren wohl auch eine unsichere Rechtsposition und eventuelle Nachzahlungen bei einer Betriebsprüfung.

Die Umsätze der mittelständisch inländischen Werbeartikel-Branche geraten durch die derzeit geltende Steuer-Gesetzgebung in Gefahr. Dabei geht es um immerhin um Umsätze in Höhe von jährlich rund 3,5 Milliarden Euro und über 60.000 beschäftigte Mitarbeiter.

Während Marketing-Verantwortliche Werbeartikel ganz selbstverständlich als Werbemittel in ihren Mix aufgenommen haben, diskutieren einige Experten in der Politik noch immer darüber, ob es sich stattdessen vielleicht um Geschenke handelt.

Bei anderen Kanälen, etwa gesponserten Events oder auch durch Werbung finanzierten Serien, wird ein anderer Maßstab angelegt. Und das, obwohl auch sie unzweifelhaft „bereichernd“ sind.

Warum sollte man etwas tun?

Der Werbeindustrie geht durch die Steuer- und Sozialgesetzgebung der Werbeartikel als ein ausgesprochen wirksamer und nachhaltiger Kommunikationskanal fast vollständig verloren. Viele kleinere mittelständische Unternehmen werben fast ausschließlich haptisch. Beispiele sind etwa Papier- oder Stofftragetaschen in Läden, aber auch Schlüsselanhänger, Parkscheiben und Einkaufswagen-Chips.

Verbände wie der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) e.V. versuchen bereits seit einigen Jahren eine Vereinfachung und Erleichterung der Abgabe von Werbeartikeln zu erreichen. Ein bereits weithin akzeptierter Vorschlag ist die Anhebung der Freigrenze für Werbeartikel auf eine Höhe von 35 Euro pro Anlass, der Wegfall der Empfänger-Dokumentation sowie eine Pauschalisierung des Lohnsteuerbeitrags. Auch sollte ein individueller Beitrag zur Sozialversicherung entfallen. Denn dies bringt nur eine Empfänger-Dokumentation durch die Hintertür.

Fazit: Warum sind Werbeartikel noch mal durch Steuern in Gefahr?

  • Der Werbeartikel ist ein unkomplizierter, wirksamer und deshalb  beliebter Werbekanal. Er muss daher erhalten bleiben. Denn er trägt stark zum Wachstum von Unternehmen innerhalb und außerhalb der Werbebranche bei.
  • Für Geber wie Empfänger von Werbeartikeln ist der Verwaltungsaufwand bei der Abgabe von höherwertigen Werbeartikeln derzeit immens.
  • Im Rahmen des Bürokratieentlastungsgesetzes BEG III sollte die Abgabe von Werbeartikeln stark vereinfacht werden. Dies unterblieb.
  • Für Unternehmen bleibt deshalb die Gefahr von Steuer-Problemen durch Werbeartikel.

Aktion: Was kann man gegen die Gefahr für Werbeartikel durch Steuern tun?

  • Mitglieder der Werbeartikelwirtschaft und des Gesamtverbandes der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) e.V. sollten sich an ihre politischen Vertreter wenden. Infrage kommen beispielsweise Abgeordnete, das Wirtschaftsministerium, aber auch weitere Unternehmerverbände sowie Handelskammern.
  • Steuerberater raten manchmal pauschal von der Verwendung von Werbeartikeln ab. Das sollten Unternehmer nicht akzeptieren.
  • Finanzverwaltungen fällen zum Thema Werbeartikel individuelle, oft nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Diese sollten den Finanzgerichten zur Klärung vorgelegt werden.
  • Auch Geber und Empfänger von Werbeartikeln sind aufgerufen, für ihre bewährte und nachhaltige Werbeform politisch Partei zu ergreifen.