Werbeartikel Compliance

Wenn Compliance den Werbeartikel killt

Aus „Compliance-Gründen“ im B2B-Geschäft auf Werbeartikel verzichten? Damit lassen sich Werbetreibende ein äußerst wirksames Werbemittel entgehen. Das ist nicht nötig, wenn der Einkäufer gut informiert ist.

(Natürlich darf mypromo.com hier keine Rechtsberatung geben. Bitte wenden Sie sich dazu z.B. an Anwälte oder Steuerberater.)

Weihnachten in der Buchhaltung eines deutschen Finanzdienstleisters: Ein externer Dienstleister bringt den Mitarbeitern als Werbeartikel bedruckte Tübchen mit Handcreme mit. Schließlich hatten diese in der trockenen Heizungsluft über rissige Hände geklagt.

Die Aufmerksamkeit, nett gemeint und sorgsam ausgewählt, zog dennoch entnervtes Stöhnen nach sich. Denn die Compliance-Richtlinien des betreffenden Unternehmens sahen vor, dass jedes Geschenk über einem Brutto-Wert von fünf Euro zu dokumentieren ist. Die Empfänger mussten also Formblätter ausfüllen und Fragen beantworten. Verständlich, dass der Werbeartikel nicht besonders gut ankam.

Es sind Vorkommnisse wie diese, die dazu führen, dass laut des Werbeartikel-Monitors des Gesamtverbandes der Werbeartikel-Wirtschaft e.V. (GWW) die Kleinstunternehmen im B2B-Geschäft zunehmend auf Werbeartikel verzichten. Im Vergleich zu 2017 brach der Einsatz in diesem Segment um 5% ein.

Ein Grund dafür dürfte in den Compliance Regeln liegen. Gerade kleine Unternehmen kennen sich damit nicht besonders gut aus. Sie fürchten daher, Fehler zu machen. Deshalb verzichten sie lieber ganz auf den Einsatz von Werbeartikeln.

Der Umsatz mit Werbeartikeln in Deutschland ist 2018 trotzdem um etwa zwei Prozent auf 3,58 Mrd. Euro gestiegen. Besonders beliebt waren Schreibgeräte, Notizbücher und Taschen. Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern setzen zu 93% auf Werbeartikel.

Denn sie wissen, dass die Reichweite von Werbeartikeln in Deutschland bei 89% liegt. Außerdem sind gut ausgewählte Werbeartikel durch ihre Langlebigkeit besonders wirksam. Werbeartikel verankern die Werbebotschaft mit jeder Berührung.

Was bedeutet Compliance in Bezug auf Werbeartikel?

„Compliance“ bedeutet, dass sich ein Unternehmen an die selbst gesteckten Regeln hält. Für börsennotierte Unternehmen ist vor allem der Deutsche Corporate Governance Kodex maßgeblich.

Eine Reihe von Wirtschaftsskandalen hat dazu geführt, dass viele Unternehmen für ihre Mitarbeiter die Annahme von Geschenken verbindlich regeln. Der Arbeitskreis Corporate Compliance legt für gelegentliche Werbe- und Streuartikel eine Obergrenze von 50 Euro fest. Das haben manche Unternehmen übernommen. Viele Firmen definierten jedoch eigene Obergrenzen. Manchmal dürfen selbst Werbeartikel, die mehr als zehn Euro wert sind, nicht angenommen werden.

Gesetzlich gibt es keine Obergrenze für den Wert persönlicher Geschenke. Allerdings kann im Berufsleben die Abgrenzung zur unerlaubten Vorteilsnahme schwierig sein. Manche Branchen haben sich darüber hinaus einen bindenden Ethik-Kodex gegeben. Dieser kann die Annahme von Geschenken im B2B-Geschäft auch komplett untersagen. Steuerlich gelten für Werbeartikel gesonderte Bestimmungen.

Ist ein Werbeartikel ein Geschenk?

Über die Frage, ob Werbeartikel überhaupt als persönliches Geschenk zu sehen sind, streiten die Experten. Eine große Zahl ist jedoch der Meinung, dass man Streuartikel im B2B-Geschäft als Werbemedium beurteilen muss. Damit wären dann die in Compliance Regeln festgelegten Obergrenzen hinfällig. Letztlich bleibt aber die Beurteilung des Empfängers bzw. des Unternehmens, in dem er tätig ist, maßgeblich.

Einkäufer von Werbeartikeln sollten deshalb möglichst vorab klären, welchen Regeln die Empfänger in ihren Unternehmen unterliegen.